Eine Holzschule von tausend Schülern wurde in der Stadt Limeil-Brévannes in der nähe von Paris fertig gestellt. Im Schulzentrum mit einer Geschossfläche von 9500 m2 befinden sich drei Kindergärten bzw. Vorschulen und zwei Grundschulen. Das größte Schulzentrum aus Holz in Frankreich wurde von der französischen Architektin Véronique Klimine und dem in Grenoble arbeitenden finnischen Architekten Olavi Koponen zusammen entworfen. Es war ihr erstes gemeinsames Vorhaben. Laut Koponen forderte die Stadtverwaltung, dass das Schulzentrum aus Holz gebaut würde. Der öffentliche Holzbau ist in Frankreich am wachsen, was mit Diskussionen über die Eindämmung des Klimawandels, die Energieeffizienz des Bauens und die Emissionen des Bauens zusammen hängt. Laut dem Erbauer des Schulzentrums beruht die Wettbewerbsfähigkeit des Holzbaus im Vergleich zum traditionellen Bauen auf der schnellen Installation der Holzelemente auf der Baustelle. Das Wahrzeichen des Schulgebäudes ist ein hoher Turm in Dreieckform, der mit dem Werk Merenneito ja mustekala (Die Meerjungfrau und der Tintenfisch) des finnischen Künstlers Lauri Ahlgren verziert ist.
Der für den modernen Holzbau bekannte österreichische Architekt Hermann Kaufmann sagt, das die Finnen den Kontakt zur Tradition des Holzbaus verloren haben. ”Die Situation in Finnland ist jetzt so, wie sie vor ein paar Jahrzehnten in Österreich war. Jetzt muss die Evolution des Bauens gefördert und die Tradition des Holzbaus auch in Finnland weitergeführt werden. Dieser Wandel ist uns in Österreich gelungen, weil wir die Verbindung zu unserer starken Tischlertradition nicht verloren haben“, berichtet Kaufmann. ”Da Holzbau eine Zukunft hat, lohnt es sich, in die Qualität des Bauens und die Ausbildung zu investieren und den öffentlichen Sektor davon zu überzeugen, dass die Förderung des Holzbaus sowohl ökonomisch als auch ökologisch gerechtfertigt ist.“ Laut Kaufmann müssen in der Bauindustrie zukünftig mehr emissionsarme und erneuerbare Baumaterialien verwendet werden. ”Die Betonindustrie hat Angst vor dem Wandel und wünscht, dass im Holzbau Fehler gemacht werden. Wenn sie vernünftig und clever wäre, würde sie mit der Holzbauindustrie zusammenarbeiten.“
Durch die Verarbeitung von Holzprodukten und den Exportzuwachs können mehrere Tausend Arbeitsplätze geschaffen und Finnlands Leistungsbilanz um 200-300 Millionen Euro erhöht werden. Im Zwischenbericht des Strategieprogramms für Forstwirtschaft (MSO) des finnischen Ministeriums für Beschäftigung und Wirtschaft, wurden Auswirkungen des Holzbaus auf die Gesellschaft und die Beschäftigung geschätzt. ”Die wichtigste Auswirkung auf die Beschäftigung und die Volkswirtschaft entsteht durch den Exportzuwachs im Bereich von Bautischlerprodukten“, sagt Sixten Sunabacka, strategischer Leiter des MSO-Programms. ”Wenn das Ziel des Strategieprogramms für Forstwirtschaft, d. h ein Exportzuwachs von 500 Millionen Euro, durch einen Exportzuwachs von Bautischlerwaren erreicht würde, würden mehrere Tausend neue Arbeitsplätze geschaffen und der Gesamtertrag der Volkswirtschaft um eine Milliarde Euro erhöht. Die Steuereinnahmen würden um über 70 Millionen Euro und die Bruttoerlöse von Holz um 60 Millionen steigen. "
Die Sanierung des Innova-Wohnhochhauses in Riihimäki auf Passivhausstandard mit vorgefertigten Fassadenelementen aus Holz wurde fertig gestellt. Seppo Keskiruokanen, Bürgermeister der Stadt Riihimäki, meint, dass aus dem Peltosaari-Projekt ein national bedeutendes Beispiel für die Entwicklung eines Vororts geworden ist und dass die dabei gewonnenen Erfahrungen auch bei der Sanierung und Entwicklung von Vororten anderer Städte genutzt werden können. ”Die Sanierung mit dem TES-Verfahren (timberbased element system) von Hochhäusern mit Mietwohnungen hat das Interesse der Organisationen geweckt, die im Bereich der Entwicklung des energieeffizienten Bauens tätig sind. Das TES-Verfahren ist neu und hat viel positives Aufsehen unter den Experten der Branche sowohl in Finnland als auch im Ausland erregt“, sagt Keskiruokanen. Irene Väkevä-Harjula, Projektleiterin des Peltosaari-Projekts, glaubt, dass die Entwicklung des TES-Verfahrens die Interesse an der Renovierung von Vororten steigert und dass das Verfahren für eine umfassende Sanierung von Wohnsiedlungen geeignet ist. ”Die Sanierung des Innova-Hauses wurde gleichzeitig mit dem Ideenwettbewerb für Peltosaari eingeleitet. Die Publizität, die das Innova-Haus bekam, hat auch dem Ideenwettbewerb zum Erfolg geholfen. Als Ergebnis erhielten wir insgesamt 61 gelungene Vorschläge.“
Die Verwendung von vorgefertigten Fassadenelementen aus Holz in Sanierungsprojekten von alten Betonhochhäusern hat sich als ein kostenwirksames und technisch gelungenes Verfahren erwiesen. Laut Architekt Kimmo Lylykangas war die Sanierung auf Passivhausniveau eines Wohnhochhauses in Peltosaari, einem Stadtteil der Stadt Riihimäki, technisch und wirtschaftlich ein Erfolg. ”Über das Ergebnis kann ich berichten, dass das TES-Verfahren eine sehr empfehlenswerte und wettbewerbsfähige Alternative im Sanierungsbau ist. Die Bemessung und Installation der Elemente und das Integrieren der Versorgungstechnik ist voll gelungen. Die größten Herausforderungen liegen bei der Sicherung des Wohnkomforts während der Sanierung und bei der Weiterentwicklung der Baustellenpraxis, so dass die Bauzeit bedeutend verkürzt und die Kosteneffizienz gesteigert werden kann.“ Im Sanierungsprojekt in Riihimäki wird wahrscheinlich eine Wärmeeinsparung von 75 Prozent erreicht werden, die allerdings erst nach der ersten Heizsaison festgestellt werden kann. Auch die Raumluft wurde durch die Lüftungssanierung verbessert, da der Dichtigkeitsgrad des Objekts fast auf das Niveau des Passivhausstandards gehoben wurde. Auch die Bewohner betonen, dass die Schalldämmung verbessert und das Aussehen des Objekts modernisiert wurde. ”Heute werden neue, mit dem TES-Verfahren realisierbare Sanierungsprojekte von Hochhäusern und industrielle Sanierungsverfahren für kleine Wohnhäuser gesucht“, sagt Jukka Sevon, Produktentwicklungsmanager der Paroc Oy. ”In der aktuellen Konjunktursituation wäre es gut, wenn auch große Bauunternehmen sich der Sanierung widmeten. Die Erfahrungen aus dem Innova-Projekt in Riihimäki haben erwiesen, dass das TES-Verfahren bei Sanierungsarbeiten auch im großen Maßstab geeignet ist.“
Krista Kiuru, Ministerin für Wohnungswesen, stellt fest, dass in Finnland viele der in den 1960er und 1970er Jahren gebauten Hochhäusern sanierungsbedürftig werden und dass dieser Gebäudebestand energiesaniert werden müsste. ”Wir haben riesige Sanierungsarbeiten, die große Investitionen erfordern, vor uns. Man muss die Energieeffizienz dieser Gebäude schnellstens verbessern“, sagt Kiuru. ”Die durchgeführten Pilotprojekte haben erwiesen, dass der Energieverbrauch von alten Hochhäusern mit kosteneffektiven Baulösungen verringert werden kann.“ Kiuru meint, dass die für Energiesanierungen notwendigen Investitionen der Bewohner und der Immobilienbesitzer sich vielfach rentieren, weil die Wohnkosten nach der Sanierung langfristig wesentlich geringer sind. Kiuru sieht beim Sanierungsbau mehr Wachstums- und Beschäftigungspotenzial als bei Neubeuten. ”In dieser finanziellen Lage kann auch über konjunkturpolitische Maßnahmen zur Beschleunigung des Sanierungsbaus nachgedacht werden. Jetzt benötigt man im Sanierungsbau Spezialisierung, Ausbildung und bewährte Verfahren, die durch Pilotprojekte entstehen, für die möglichst kosteneffiziente Renovierung von großen Hochhausblöcken.“
Minister für Wirtschaft Jyri Häkämies betrachtet die Entwicklung des Holzbaus als Teil der grünen Industrie, die weltweit stark wächst. ”Es gibt gute kommerzielle Chancen für ein Zukunftskonzept vom Holzbau in der Kombination vom Holz mit seinem geringen CO2-Fußabdruck und dem energieeffizienten Bauen, in dem digitale Technik genutzt wird“, meint Häkämies. ”Der Durchbruch vom Holz im Hochhausbau kann durch neue Projekte ermöglicht werden, in denen Elementherstellung, Intelligenz und Energieeffizienz verbunden werden. Weil es sich um einen zentralen Teil der grünen Wirtschaft handelt, besteht hier ein großes Exportpotenzial und gute Chancen auf dem internationalen Markt. Dafür werden allerdings auch Investitionen benötigt.“ Das Ziel des Holzbauprogramms im Regierungsprogramm ist es, einen Marktanteil von 10 Prozent am Hochhausbau zu erreichen, was jährlich etwa 1300 Holzhochhäuser bedeutet. “Der Staat hält es für wichtig, dass in der Forstwirtschaft neue Innovationen und Produkte entwickelt werden, um verlorene Arbeitsplätze der Papierindustrie dadurch ersetzen zu können.“
Im Baufach wird in den nächsten Jahren die Umweltverträglichkeitsprüfung umfassend eingeführt. Die Anfang Juli in Kraft tretenden neuen Energievorschriften gelten für Neubauten. Anfang 2013 treten auch für den Sanierungsbau eigene Vorschriften in Kraft. Bald müssen auch die Umweltauswirkungen der Baumaterialien für das zukünftige Bauen berücksichtigt werden. Jarek Kurnitski, Energieexperte des finnischen Innovationsfonds Sitra, schätzt, dass die neuen Bauvorschriften die Wettbewerbsfähigkeit des Holzbaus verbessern werden. ”Holzbau ist hiervon weniger betroffen als andere Bauweisen, weil Holz die Funktion einer Kohlendioxidsenke hat und als Baumaterial keine Emissionen verursacht“, sagt Kurnitski. Der Entwicklung des Holzbaus sollte jetzt laut Kurnitski mehr Beachtung gewidmet werden.
Timo Sotavalta, Immobilienmanager der Rentenversicherungskasse Etera, hält Schnelligkeit für den wichtigsten Wettbewerbsvorteil des Holzbaus. „Schnelligkeit hat einen großen Einfluss auf die ganze Kette der Baukosten Das Kapital der Investoren ist kurzzeitiger gebunden und der Auftraggeber bekommt schneller Mieteinnahmen“, beschreibt Sotavalta. „Aus dem Bauen und der Baustellenpraxis des von Etera bestellten Holzhochhausviertels im Helsinkier Stadtteil Viikki kann man viel lernen und in der Zukunft deswegen noch mehr Zeit sparen und Vorteile erlangen.“ Ari Tiukkanen, Leiter der Unternehmenssparte Rakentamisen Tuotteet (Bauartikel) von Mestä Wood, meint auch, dass man Bauzeiten zukünftig noch reduzieren kann: „Wir müssen die Baulogistik in Zusammenarbeit mit Investoren, Bauunternehmern und Bauarbeitern weiterentwickeln. Die Vorrausetzungen zum Durchbruch des Holzbaus sind da, weil wir ein wettbewerbsfähiges Produkt haben.“
Peab Oy baut ein Holzhausviertel in Latokartano im Helsinkier Stadtteil Viikki. In den 5 drei- und vierstöckigen Holzhäusern, die Viikki gebaut werden, entstehen insgesamt 104 Wohnungen. Petri Suuperko, Geschäftsführer von Peab Oy, hält das Projekt für einen Beweis des Fachwissens von Peab und ein hervorragendes Beispiel eines modernen Holzhausviertels. „Wir haben in Latokartano im Stadtteil Viikki Geschichte des Finnischen Holzbaus geschrieben“, sagt Suuperko.

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